Drei Regeln für den Kommunikationserfolg: Was Gründer vom Fall Sarrazin lernen können

Regel1: Polarisierung schafft Aufmerksamkeit, bedarf aber der verantwortungsbewussten Kontrolle

Polarisierung kann nützlich sein, solange sie Klarheit und Orientierung über Positionen und Anliegen schafft und dazu beiträgt, dass sich Kunden und Stakeholder ein eigenes klares Bild machen können. Polarisierung erleichtert die Differenzierung im Kommunikationswettbewerb.

Wenn jedoch Polarisierung in Provokation umschlägt, dient sie nicht mehr der Orientierung, sondern der Manipulation. Dies wird zum Bumerang. wenn die Ziele von Provokation nicht erkennbar verantwortungsbewusst gewählt sind. Die Kommunikationshoheit geht verloren, die Aufmerksamkeit wird nicht mehr steuerbar. Wer als Polarisierer startet und sich am Ende in der Rechtfertigungsfalle befindet, kann die erzielte Aufmerksamkeit nicht positiv nutzen.

Gründer sollten in der Aufbaukommunikation niemals die Kontrolle über ihre Botschaften und deren öffentliche Wirkung verlieren, wie es bei Sarrazin vergleichbar zu beobachten ist.

Regel 2: Aufmerksamkeit erfordert eine akribische Themenplanung und Themenentwicklung.

Wer positive Akzente für die eigenen Anliegen setzen will, muss Themen gut planen und strategisch entwickeln. Themenmanagement ist eine komplexe, anspruchsvolle Aufgabe. Zu einer guten Themenplanung gehört es, die eigenen Kernbotschaften klar und glaubwürdig zu formulieren, daraus den eindeutigen Nutzen für die Zielgruppen abzuleiten und die Vermittlung der einzelnen Themenaspekte zeitlich und inhaltlich zu strukturieren.

Gründer können an der Eigendynamik des von Sarrazin angestoßenen Diskurses sehen, wie ungemein wichtig es ist, genau zu planen, wann, wo und wie welche Aspekte einer Themenkampagne kommuniziert werden.

Regel 3: Themenkampagnen erfordern eine genaue Analyse und Berücksichtigung des meinungsbildenden Umfelds für den Verlauf und Wirkung der Kampagne.

Wer mit einer Themen- oder Marketingkampagne in der Öffentlichkeit auftritt, hat es mit vielen unterschiedlichen Personengruppen oder Einzelpersonen zu tun, die jeweils unterschiedliche Interessen verfolgen und daher die Botschaften der Kampagne unterschiedlich werten. Es empfiehlt sich, alle Rollen und Interessen von Personengruppen, die kampagnenrelevant sein könnten, systematisch zu reflektieren und sich mit Fragen-und-Antworten-Katalogen und Argumentarien auf negative Reaktionen vorzubereiten. Auch ist es wichtig, Unterstützer und positive Multiplikatoren der eigenen Anliegen zu identifizieren und in die Kampagne systematisch einzubinden. Für Gründer ist diese Vorbereitung essentiell.

Fazit: Gezielte Themenkampagnen sind ein gutes Instrument für Gründer, um Aufmerksamkeit für die Anliegen, die Kompetenz und das Leistungsversprechen des eigenen Unternehmens zu erreichen. Dies ist wirkungsvoller als vereinzelte Kommunikationsakzente zu setzen. Die Wirkung solcher Kampagnen darf man jedoch nicht dem Zufall überlassen, sondern muss sie professionell planen.

About Wolfgang Griepentrog

Dr. Wolfgang Griepentrog hat rund 20 Jahre lang als verantwortlicher Kommunikationsmanager auf Industrieseite, in der Unternehmensberatung und im Agenturgeschäft gearbeitet. Bis 2007 leitete er die Konzern-PR eines internationalen Handelskonzerns. Als PR- und Managementberater sowie Interim Manager befasst er sich mit den Grundbedingungen erfolgreicher Kommunikation. Er unterstützt Startups und Investoren bei der Entwicklung glaubwürdiger Positionierungsstrategien und einer erfolgreichen Unternehmensstory. Mit der Initiative "Das Glaubwürdigkeitsprinzip" engagiert er sich zudem für mehr Glaubwürdigkeit und Effizienz in Management und Kommunikation.

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One Response to Drei Regeln für den Kommunikationserfolg: Was Gründer vom Fall Sarrazin lernen können

  1. Jan 7. Oktober 2010 at 14:46 #

    Hi! vielen Dank erstmalfür den interessantenArtikel!
    Zu Sarazzinbin ich geteilter Meinung. Auf der einen Seite, das muss man ganz klar sehen, ist das Ergebnis dessen, was er in seinem Buch proklamiert in jeder deutschen Großstadtersichtlich. Auf der anderen Seite, und das ist ansich kein Beleg gegen seine Aussage, die die meisten Deutschen ja teilen, wundere ich mich, dass von allen Seiten her Kritik kommt. Die Politiker haben sich schon längst ihre eigene kleine Weltgeschaffen und scheinen wohl nicht mehr zu erahnen, was auf den öffentlichen Straßen und Fußgängerzonen Deutschlands abläuft. Schade!

    Über Antworten würde ich mich freuen, ich bin disskusionserprobt ;)