Was bedeutet „nachhaltiges Unternehmertum“ aus Gründersicht?

Es ist ein schillernder Begriff, der je nach Branchenfokus und Anspruch unterschiedlich ausgelegt wird: „nachhaltiges Unternehmertum“. Manche Varianten des Begriffs deuten auf eine spezifische Interpretation hin, wie etwa „Ecopreneurship“ (PDF) oder „Sustainopreneurship“.

Im Kontext von Unternehmensgründungen ist die Bedeutung allgemeiner und drei Facetten stehen im Vordergrund:

1. Nachhaltiges Unternehmertum als Haltung

Wer Nachhaltigkeit anstrebt, orientiert sich nicht primär am schnellen Geschäftserfolg, sondern am langfristigen, soliden Aufbau eines Unternehmenswertes. Dieser Unternehmenswert wird durch ein innovatives Nutzenversprechen für die Kunden, durch eine verantwortungsbewusste Unternehmenssteuerung und durch Exzellenz in der Umsetzung erreicht. Heute stehen bei Unternehmensgründungen oder beim Aufbau neuer Unternehmensbereiche oft „Quick Wins“ im Vordergrund, sei es weil Investoren und Kapitalmarkt dies anscheinend erwarten, sei es weil viele Angebote der Gründerberatung solches Denken fördern. Natürlich muss es Ziel jeder Unternehmensgründung sein, möglichst rasch eine hohe Profitabilität zu erreichen. Wie bei etablierten Unternehmen auch, kann die Dominanz einer kurzfristigen Gewinnorientierung auf Kosten solide aufgebauter Unternehmenswerte wie Kundenbindung, Kundenvertrauen, Marktakzeptanz, Markenprofilierung jedoch dem langfristigen Unternehmenserfolg schaden. Nachhaltiges Unternehmertum zeichnet sich dadurch aus, dass materielle und immaterielle Unternehmenswerte gleichermaßen berücksichtigt werden.

2. Nachhaltiges Unternehmertum als Fokus der Geschäftstätigkeit

Die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Corporate Responsibility“ sind schwer zu trennen, denn beide zielen darauf ab, dass Unternehmen bei der Umsetzung ihres Kerngeschäfts wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Belange gleichermaßen konsequent berücksichtigen. Immer mehr Kunden und Stakeholder erwarten diese unternehmensstrategische Ausrichtung – jenseits von Preis und Qualität der Produkte. In diesem Sinne dient eine verantwortungsbewusste Umsetzung von Unternehmenskonzepten der positiven Profilierung im Markt. Sie schafft Wettbewerbsvorteile und unterstützt auf längere Sicht den Unternehmenserfolg. Da ständig neue Unternehmenskonzepte und Produkte im Markt erscheinen, deren Nutzen und Berechtigung vom mündigen Verbraucher kritisch überprüft wird, ist der Fokus von Unternehmensgründungen auf eine nachhaltige Umsetzung des Kerngeschäfts oder auf nachhaltige Geschäftsfelder wichtig und unter Umständen erfolgsentscheidend.

3. Nachhaltiges Unternehmertum als effiziente und schlanke Umsetzung.

Dies beinhaltet gerade im Gründungskontext auch den verantwortungsbewussten Einsatz eigener Ressourcen. Nachhaltige Unternehmer sind in der Regel aus Prinzip sparsam. Sie versuchen, ihr Unternehmenskonzept mit möglichst geringen Mitteln (vor allem Fremdmitteln) umzusetzen und setzen eher auf Bootstrapping und Lean Start-ups. Diese Haltung entspricht nicht der allgemein geförderten Gründermentalität, die oftmals für ein hohes unter-nehmerisches Risiko und beispielsweise ein dickes Kapitalpolster plädiert.

Mit Blick auf diese drei Aspekte bezeichnet „nachhaltiges Unternehmertum“ eine unternehmerische Einstellung, die anspruchsvoll und bisweilen unbequem ist, dem langfristigen Unternehmenserfolg aber hilft. Im Vordergrund steht die Begeisterung für das Unternehmenskonzept, sein Aufbau und seine Bestandssicherung, und weniger der rasche Gewinn.

About Wolfgang Griepentrog

Dr. Wolfgang Griepentrog hat rund 20 Jahre lang als verantwortlicher Kommunikationsmanager auf Industrieseite, in der Unternehmensberatung und im Agenturgeschäft gearbeitet. Bis 2007 leitete er die Konzern-PR eines internationalen Handelskonzerns. Als PR- und Managementberater sowie Interim Manager befasst er sich mit den Grundbedingungen erfolgreicher Kommunikation. Er unterstützt Startups und Investoren bei der Entwicklung glaubwürdiger Positionierungsstrategien und einer erfolgreichen Unternehmensstory. Mit der Initiative "Das Glaubwürdigkeitsprinzip" engagiert er sich zudem für mehr Glaubwürdigkeit und Effizienz in Management und Kommunikation.

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